Martin Pölls bildhauerische Arbeit basiert auf Naturmaterialien und Natur; sie bilden als Formensprache und Arbeitsmaterial sowie Erfahrungsraum den Fundus seiner skulpturalen Installationen. Pölls Skulpturen zeigen oft hintergründige Kombinationen aus Form und Material, wie beim Guss eines Seerosenblatts aus Baumharz – der als Skulptur zunächst an eine verkohlte Baumscheibe erinnert –, oder beim Baumrindenfladen, der zum Wellblechdach geformt an der Wand lehnt. Die unterschiedlichen Materialstadien aus dem Arbeitsprozess zur Nutzbarmachung der Ausgangsprodukte sind in Ausstellungen oft in diversen Versatzstücken sichtbar: Vom Baumharzbarren zu Flaschen mit Baumharzdämpfen, von Terrazzoplatten mit Baumharzverschnitten bis hin zum Baumharzschnaps bei der Ausstellungseröffnung.
Basaler Bestandteil seiner Ausstellungen sind kombinierbare Formen, die auf der geometrischen Grundstruktur der Ausgangsmaterialien basieren. Sie lassen sich in eine statische Struktur gleichförmiger Wiederholungen einbinden, die für seine Arbeit variables Material unendlicher Kombinatorik sind. Martin Pöll (*1990 in Südtirol), lebt und arbeitet in Karlsruhe, Deutschland.

Arbeiten

  • ▹ fliegen lassen

  • ▹ Ode an eine Seerose IV

  • ▹ shapes

  • ▹ Sonne Mond und Sterne

  • ▹ Zapfen

  • ▹ Empreinte

  • ▹ Route de Meisenthal á Karlsruhe

  • ▹ confine

  • ▹ Ode an eine Seerose II

  • ▹ Indigo II

  • ▹ spruce seed

  • ▹ Remake »Springkraut«

  • ▹ Kuhfladen

  • ▹ hraun

  • ▹ If seeds could dream about their lives I

  • ▹ If seeds could dream about their lives II

  • Archiv

Aktuell

  • 05.06. – 03.10.2021

    »50x50x50 allen alles«

    Festung Franzensfeste

  • 30.04. – 03.10.2021

    »Skulptur Südwest«

    Altes Dampfbad, Baden-Baden

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Kontakt

Martin Pöll

Liebigstraße 10
76135 Karlsruhe


post@martinpoell.com
Instagram (@martin__poell)

Martin Pölls Arbeiten gehen von pflanzlichen Formen und Materialien aus, sowie von der Beziehung des eigenen Körpers zur Natur und der Tätigkeit in dieser Umgebung als auch im Bildhaueratelier. Naturmaterialien, wie Baumharz, Blätter, Rinde, Ton oder Holz, sowie pflanzliche Samen von Ahorn, Fichte und Springkraut sind Ausgangsmaterial seiner Arbeiten, als auch das Sammeln und die unterschiedlichen Verarbeitungsschritte von Baumharz elementarer Teil von Martin Pölls skulpturalen Arbeiten ist. Dabei ist der individuell entwickelte Arbeitsprozess zur Nutzbarmachung der Ausgangsprodukte zentraler Bestandteil der Ausstellungsobjekte. Um das Baumharz für den Guss von Skulpturen verwendbar zu machen, ist ein langwieriger Auskochungsvorgang des Materials nötig. Bei dieser Raffination gibt es diverse Nebenprodukte, die in Martin Pölls Arbeiten als Versatzstücke auftauchen. In der Ausstellung »Sans Transition«, Meisenthal, 2018, sieht man so beispielsweise einen Haufen rohen Baumharzmaterials auf dem Boden des Ausstellungsraumes, darin steckt ein Rohr: Ein Baumharzofen in Miniaturform, der genau jenen Geruch verbreitet, der auch Martin Pöll bei seinem Arbeitsprozess mit Baumharz im Atelier begleitet. In anderen Ausstellungen sieht man neben diesen Haufen auch pure Baumharzmaterialbarren oder die Baumharzdämpfe als ätherisches Öl (»Parfum«, 2019). In der Ausstellung »time to get hi«, Zentrale Karlsruhe, 2020, stellt Martin Pöll eine stilisierte Destille auf vier Stahlbeinen aus. Mit ihr wird im Ausstellungsraum selbst das Baumharzmaterial aufbereitet und zugleich die ätherischen Öle und Baumharzdämpfe gewonnen, die – als gebrannter Schnaps – in kleiner Künstleredition Teil der Ausstellung sind.
Das Baumharz findet sich in gegossener Form schon in »Ode an eine Seerose I – IV«, 2017/2018 wieder. Martin Pöll gießt dabei Seerosenblätter einer Spannweite von fast 1,30m ab; in seiner Materialität und Struktur erinnert die Seerose an eine verkohlte Baumscheibe. In der Installation »Sonne Mond und Sterne«, 2019, wird Baumharzgranulat gemischt mit Gips zum Material für Bodenfliesen, die an Terrazzoplatten erinnern. Gegossen sind diese Platten so formspezifisch, dass man sie durch Aneinanderstecken variabel zu einer unendlichen Fläche erweitern kann. Je nach Ausstellungssituation und räumlichen Gegebenheiten findet sich diese Unendlichkeitsvariation in vielen Versionen in Martin Pölls Ausstellungen wieder: in dem Ensemble »Sonne Mond und Sterne«, 2019, als von Tageslicht hinterleuchtete Wandarbeit aus Coccolobablättern – riesige Blätter einer südamerikanischen Pflanze aus dem Botanischen Garten –, oder in der in-situ Arbeit »shapes«, 2019, in der Ausstellung »50×50×50 Freiräume – Spezi liberi«, Festung Franzensfeste, Südtirol, als übermannshohe Skulptur aus Fichtenholz, die durch das Steckprinzip eine Geometrie im Außenraum bildet, wie sie auch als Unterstand fungieren könnte.
Situativ für den Ausstellungskontext zu fertigen ist Teil von Martin Pölls künstlerischer Arbeit. Für »fliegen lassen«, 2019 – eine 4 Meter hohe Tonskulptur, die einen Ahornsamenflug darstellt – hat er den Lehm, aus dem die Skulptur gebrannt ist, auf dem Ausstellungsgelände selbst gesammelt: Dem Franklingelände Mannheim, in dessen überdimensionierten Fabrikhallen auch die Ausstellung der Skulptur stattfand. Im Sammeln des Materials wie es hier stattfindet, als auch bei den Zentnern an Baumharz, die Martin Pöll für seine Arbeiten aus dem Wald holt, steckt ein körperliches Moment, eine Bewegung durch den Außenraum. In »Route de Meisenthal à Karlsruhe«, 2018 ist die Bewegung von Karlsruhe nach Meisenthal, in Frankreich, wohin Martin Pöll täglich – jedoch auf unterschiedlichen Strecken – zum Arbeiten hinfuhr, zu einer Gipsskulptur geworden, die sein körperliches Streckenmachen nachverfolgen lässt.
Aus Baumharz – Martin Pölls vorwiegendem Arbeitsmaterial – entstehen in seinen Skulpturen hintergründige Kombinationen aus Form und Material, sie erscheinen wie Lavastein, in der Säule »hraun«, 2017; die spiegelglatten Oberflächen von »confine«, 2018, wiederum, die den Umriss von Bodensee, Gardasee Genfersee nachzeichnen, wirken wie Epoxidharz, Glas oder Wasser. Die Natur, der Wald, sind Ausgangspunkt seiner Arbeiten, und Heimat: Die Installation »Graduierten Ausstellung«, AdBK, Karlsruhe, 2018 besteht aus einem tausendfach vergrößerten Fichtensamen, einer liegenden spiralförmigen Arbeit, die an einen Fichtensamenflug erinnert und einer Rindenfläche, die, zum Wellblechdach geformt, an der Wand lehnt. Genug zum Sitzen, Trinken, Überdachen.
Martin Pöll (*1990 in Südtirol) lebt und arbeitet in Karlsruhe, Deutschland.

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Vita

  • 2018

    Meisterschüler an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. Harald Klingelhöller

  • 2016

    Erasmussemester Listaháskóli Ísland, Reykjavík bei Ólafur Gíslason

  • 2012 – 2017

    Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. Harald Klingelhöller

  • 2011 – 2013

    Holzbildhauermeister

  • 2008 – 2011

    Landesberufsschule für das Kunsthandwerk, St. Ulrich

  • 2005 – 2008

    Kunstschule Cademia, St. Ulrich

  • 1990

    geboren in St. Leonhard in Passeier

Veröffentlichungen

Kontakt

Martin Pöll

Liebigstraße 10
76135 Karlsruhe


post@martinpoell.com
Instagram (@martin__poell)

fliegen lassen (2019)
Keramik, Eisen; 400×85×85cm

Ode an eine Seerose IV (2019)
Seerosenblatt, Baumharz, Eisen; 2×71×66cm

shapes (2019)
Fichtenholz; 350×400×400cm

Sonne Mond und Sterne (2019)
Gips, Baumharz; 4×180×180cm

Zapfen (2018)
Stoff; 90×33×33cm

Empreinte (2018)
Keramik; 2×23×23cm

Route de Meisenthal á Karlsruhe (2018)
Gips, Eisen; 50×145×60cm

confine (2018)
Baumharz, Eisen; 3×70×30cm

Ode an eine Seerose II (2018)
Baumharz, Eisen; 7×123×128cm

Indigo II (2017)
Stoff, Siebdruckplatte, Eisen; 170×250×90cm

spruce seed (2017)
Keramik; 140×45×45cm

Remake »Springkraut« (2016)
Stoff, Holz; 130×30×30cm

Kuhfladen (2018)
Bronze; 12×48×35cm

hraun (2017)
Baumharz, Eisen; 190×11×11cm

If seeds could dream about their lives I (2017)
Baumharz, Eisen; 188×33×33cm

If seeds could dream about their lives II (2017)
Blauglockenblatt, Epoxidharz; 190×32×32cm

11.04. – 14.04.2019
»24. Karlsruher Künstlermesse« Regierungspräsidium, Karlsruhe

06.02. – 17.02.2019
»237« Orgelfabrik, Karlsruhe

27.10. – 11.11.2018
»Sans Transition« Artopie, Meisenthal

12.07. – 15.07.2018
»Graduierten Ausstellung« Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe

19.05. – 01.06.2018
»bekleiden« Kreis für Kunst und Kultur (circolo artistico e culturale), St. Ulrich

12.05. – 18.05.2018
»gegenüber 12. akt« Alter Schlachthof, Karlsruhe

06.07. – 08.07.2017
»If seeds could dream about their lives« Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe

17.05. – 20.05.2017
»When air and ground come together« Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe

15.01. – 31.01.2016
»TRITREDRE« Orgelfabrik, Karlsruhe